Die wahnwitzige Welt des Sports - Heute: Buzkashi

Buzkashi ist ein afghanisches Reiterspiel, das auch in anderen persisch- oder turksprachigen Ländern gespielt wird. Es ist ein sehr rabiates und auch etwas ekeliges Spiel.

Beim Buzkashi gibt es eher selten Mannschaften, die gegeneinander spielen. Meist sind es ab 20, oft aber deutlich mehr Reiter, die nach dem Prinzip „jeder gegen jeden“ spielen. Ähnlich wie beim Polo geht es darum, das Spielgerät, boz gennant, über das Spielfeld zu treiben und anschließend in einem speziellen Bereich abzulegen.

Jetzt kommt das eklige: der boz (übersetzt heißt das Balg) ist meist eine große tote Ziege, ein toter Hammel oder ein kleines totes Kalb. Kopf und Gliedmaßen sind abgetrennt und das Tier hat ein Gewicht von ungefähr 60kg.

Regeln gibt es sehr wenige und auch kein offizielles Regelwerk. Deshalb sieht das Spiel auch meistens sehr chaotisch und wirr aus. Strategien sind eigentlich nicht erkennbar. Verschiedene Varianten des Spiels, haben unterschiedliche Zielsetzungen. Grundsätzlich geht es immer darum, den Boz in einen bestimmten Bereich zu bringen. Bei einer Spielvariante muss man die Ziege in einen bestimmten Punktebereich bringen, bei einer anderen über das Feld reiten, um eine Fahne herum und anschließend wieder zurück und den Boz im Punktebereich ablegen.

Die besten Reiter, Chapandaz werden sie genannt, werden in Afghanistan wie Popstars verehrt. Sieger erhalten hohes soziales Ansehen, manchmal auch wertvolle Preise wie Pferde oder Geld. Sie tragen während des Spiels eine Lederpeitsche zwischen den Zähnen, die sie sowohl zum Antreiben ihres Pferdes, als auch zum Abwehren anderer Reiter und Pferde nutzen. Das zeigt auch, wie hart im Nehmen und Geben, wendig und sattelfest die Chapandaz und ihre Pferde sein müssen. Sicherheitskleidung gibt es für die Reiter nicht, aber viele ziehen sich extra dick an und tragen auch einen Kopfschutz, um schwerer Verletzungen zu vermeiden. Leichtere Verletzungen gibt es aber trotzdem ebenso wie Knochenbrüche. Das Einsetzen von Waffen wie Messern und Dolchen ist heute nicht mehr üblich, zu früheren Zeiten war es das. Dabei kam es dann auch mal zu Toten. Doch das ist schon länger her.

Die Pferde der Chapanda sind so gut trainiert, dass sie sich von fast nichts aufhalten lassen. Bevorzugt werden kraftvolle, schnelle Tiere, die sich gegen andere Pferde auch durch Beißen, Schubsen und Drängeln durchsetzen. Nur wenn der eigene Reiter runterfällt, halten sich die Pferde zurück. Pferde, die sich beim Buzkashi bewährt haben, sind sehr wertvoll und dürfen nicht ins Ausland verkauft oder verbracht werden. 

Zu einem Buzkashi-Spiel versammeln sich bis zu mehrere Tausend Zuschauer an den Rändern der Städte, alles nur Männer und diese hauptsächlich aus den niederen und oberen Schichten der Gesellschaft. Frauen findet man hier keine. Das Spielfeld ist übrigens meist einfach ein abgegrenztes Stück Steppe.

Dieses auch leicht makabre Spiel wird oft mit der Politik Afghanistans verglichen. Die Reiter sollen sich im Spiel ähnlich den Politikern benehmen. Allianzen sind nur von kurzer Dauer und feste Teams gibt es nicht. Außerdem werden die Spiele meist von reichen Kriegsfürsten, Drogenbaronen oder Großgrundbesitzern veranstaltet, die Preise sponsern und ihre Gäste oft mit großen Gelagen am Spielfeldrand bewirten.

Nachdem die Taliban das Spiel in den 90er Jahren verboten hatten, ist es nun wieder beliebt und verbreitet, vor allem auch, weil es hauptsächlich bei den nordafghanischen Stämmen beliebt ist und die dortigen Kriegsfürsten das Spiel dominieren.

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