Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren

Frauen, die konfessionslos sind und eine Schwäche für Gin Tonic besitzen, gibt es in Großbritannien sicher nicht selten. Frauen, die noch dazu Motorrad fahren und ein Faible für islamisch geprägte Kulturkreise besitzen, sind dagegen eher selten bis kaum vorhanden.

Umso erstaunlicher ist es, wie es zu dem Trip von Lois Pryce in den Iran gekommen ist. 2011 im Dezember parkte sie ihr Wüstenmotorrad im Botschaftsviertel von London. Kurz zuvor kam es zu der Erstürmung der britischen Botschaft in Teheran, was zur Folge hatte, dass sich der Iran in der Welt politisch isolierte. Als Pryce zu ihrem Bike zurück kam, fand sie am Lenker einen Zettel mit der Botschaft eines Unbekannten. Es handelte sich um die Botschaft eines Exiliraners, die eine Einladung in den „wahren Iran“ beinhaltete. Die Britin solle nicht etwa bequem mit Flugzeug oder Bahn reisen, sondern alleine mit ihrem Bike. Zweifel hin oder her, sie hat‘s getan.

Durch diese anonyme Botschaft an ihrem Motoradlenker ist es zu einer wundervollen Beschreibung eines Landes gekommen, das in den Medien nur als Terrorunterstützer und als Unrechtsstaat bekannt ist. Doch Pryce versteht es auf eindrucksvolle Art und Weise darzulegen, dass diese Einschätzung zu einseitig ist. Sie zeigt, dass die Medien nur die politische Führung beäugen und nicht etwa die Kultur und die Menschen. Der Iran ist ein wunderbares Beispiel: Wenn ein Land eine negative Einstufung durch die Medien oder auch durch das Auswärtige Amt erhält, lohnt es sich wahrscheinlich erst recht, dort hinzureisen. 

Durch Pryces Reise erhält man Informationen, die man vorher nicht geglaubt hätte. Zum Beispiel, dass der Iran über Wintersportregionen mit Skipisten und Skiliften verfügt, dass junge Menschen aus Teheran über das Wochenende in einem Berghotel einchecken nur um westliche Kleidung zu tragen, Alkohol zu konsumieren oder auch Hip Hop zu hören. Oder dass die weltberühmte „Palaststadt Persepolis“ keineswegs ein Touristenmagnet ist, weil die Islamische Republik wenig für die Relikte der Schahherrschaft übrig hat. 

Schlussendlich kann man nur feststellen, dass Prcye ein Porträt über den vielfach kritisierten Iran gelungen ist, der durch große Leichtigkeit im Gesprächsstil besticht und einfach dazu einlädt, sich selbst ein Bild vom wahren Iran zu machen.

Pryce, Lois: Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren, Dumont 2018

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